Sehenswürdigkeiten

Lamprechtshöhle

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Der Name wird von einem Ritter Lamprecht abgeleitet, der hoch über dem Saalachtal die einst wehrhafte Burg Saaleck besaß. Er soll, so erzählt die Sage, wertvolle Schätze von einem Kreuzzug nach Hause gebracht haben, die schließlich seine beiden Töchter erbten. Die Habgierige unter ihnen bemächtigte sich nach dem Tode des Vaters des ganzen Schatzes und versteckte ihn in der damals unzugänglichen Höhle. In früheren Jahrhunderten lockte die Höhle Schatzsucher an, die den sagenhaften Schatz zu finden hofften. Das Pflegegericht Lofer wurde von Salzburg beauftragt, genaue Berichte über das Schatzgräberwesen in der Höhle zu liefern. Über 200 Skelette sollen dabei festgestellt worden sein. Skelettfunde sind an den Höhlenwänden heute durch schwarze Kreuze markiert.

Der Lamprechtsofen liegt in den Leoganger Steinbergen, 80 km südwestlich von Salzburg. Das große Eingangsportal am Fuße des steil zum Saalachtal abfallenden Lahnerhorns in der Nähe einer starken Karstquelle war vermutlich schon seit Urzeiten bekannt. Urkundliche Erwähnung fand die Höhle zum erstenmal im Jahre 1650. Wiederholt wurde versucht, durch Absperrung des Loches dem Unwesen Herr zu werden, doch zerstörten Hochwässer regelmäßig die errichteten Mauern und Gitter. Die erste systematische Untersuchung der Höhle fand am 22. Januar 1883 durch Ferchel und seine Kameraden statt Im Auftrag des Österreichischen Touristenklubs begannen 1883 die Gebrüder Stainer mit der Erschließung der Höhle für den allgemeinen Besuch.

1905 wurde das Erschließungswerk mit dem Bau der Führerhütte und der Höhlenbeleuchtung vollendet und der Schauhöhlenbetrieb aufgenommen. Anfänglich sorgte ein kleines Kraftwerk, vom Höhlenbach gespeist, für die elektrische Energie zur Beleuchtung der Höhle. Bis zum Jahre 1962 konnten rund 1400 Meter Höhlenstrecke vermessen werden. Den Tauchern Gustav Papacek und A. Koppenwallner gelang 1962 die Durchtauchung des bis dahin alle weitere Forschung verhindernden Bockseesiphons. Was sie jenseits davon fanden, übertraf alle Erwartungen: "Hallen, Gänge und glitzernde Seen, deren Ausmaße im schwachen Licht der Karbidlampen nicht zu erkennen waren, Steilabstürze, die sich im Unendlichen zu verlieren schienen." Diese Erfolge hatten eine sehr intensive Forschungstätigkeit des Salzburger Höhlenvereins zur Folge.  

Ein Tunnel von einem Meter Breite und sieben Metern Länge wurde über den Bocksee gesprengt, eine Forscherhütte am Eingang des Lamprechtsofens errichtet, zahllose Stunden mit dem Ausbau des Forscherweges zugebracht (Einbau von fixen Eisenleitern, Halteseilen, Trittstiften, Einbringen von drei Booten), eine Telefonleitung vom Eingang bis in die hintersten Teile des Loches gelegt, und vor allem wurde die Forschung weitergeführt. Eine kleine Gruppe von begeisterten Salzburger Höhlenforschern drang immer tiefer in das Innere der Leoganger Steinberge vor. Die extremen Schwierigkeiten beim Erklimmen der oft überhängenden, brüchigen und nassen Schlote und Wände ließ die Zahl der Forscher, die solchen Anforderungen gewachsen war, stark schrumpfen. Endpunkte schienen im Winter 1974/75 740 Meter über dem Eingang erreicht. Bezeichnungen für neu gefundene Höhlenteile wie "Feierabend" und "Waterloo" zeugen davon. 1975 gelang es, 50 Meter oberhalb des Bodens der Mondhalle eine überhängende Wand zu passiern und in die jenseitige Fortsetzung vorzudringen. 1976 gelang es hier, in das "Transgrüntopfsystem" vorzustoßen, das aus dem gigantischen, über 100 Meter tiefen King-Kong-Schacht und dem 120 Meter langen Hallenbadsiphon besteht. 1992 im Winter erfolgte die erste Durchquerung des Lamprechtsofens. 1998 hatten polnische Forscher die Lamprechtshöhle an den P2-Schacht angebunden. Die 98er Expedition, die aus 20 Personen bestand, hatte als Hauptziel, eine Verbindung zwischen dem Vogelschacht und der Höhle PL-2 zu finden. Auf Grund der Vermessungen dachte man, daß man nur 30-60 Meter von einander entfernt sei und daß das wohl leicht zu bewerkstelligen sei. Tatsächlich waren dann 1,2 km an Gängen, Kaminen und Schächten zu überwinden, ehe der Zusammenschluß tatsächlich stattfand. Die neuen Gänge führen übrigens in Richtung Kuchelhorn und Birnhorn, ein Gebiet, in dem bislang noch keine bedeutenden Höhlen gefunden worden sind.

Ende der Expedition wurde eine Höhle erkundet, die noch 15 m höher als PL-2 liegt, und die bis - 60 m erforscht wurde. Umgekehrt wurde aus Mangel an Zeit. Eine CL-3 genanntes Objekt ist 70 m höher als PL-2 und könnte vielleicht unter Einsatz von Sprengmitteln weitererforscht und ans Lamposystem drangehängt werden. Dann ist es nicht mehr weit und man stößt endgültig an den Gipfelkamm. Die Höhle war so für einige Zeit die tiefste Höhle der Welt mit einer Gesamthöhendifferenz von 1632m.

Quelle: Chronik St. Martin/Lofer