Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Martin bei Lofer



Aus der Baugeschichte der Kirche

Im Jahre 1080 wird die Kirche St. Martin erstmals urkundlich genannt.


Eine Urkunde von 1180 (SUB II/533) dient heute als Grundlage zu der Annahme, dass zu dieser Zeit das Gotteshaus zur Pfarrkirche erhoben wurde und war auch Anlass zur 800-Jahr-Feier im Jahre 1980.


Wie schon vermerkt, wurde von dieser Ur- und Mutterkirche aus auch die Filialkirche von Lofer im Jahre 1338 gegründet (1947 erst Vikariat, und 1955 zur Pfarre erhoben in unserer Zeit) ebenso die Kirche in Unken um 1380 (seit etwa 1540 Vikariat, seit 1812 eigenständige Pfarre) und im Jahre 1663 die Kirchenkapelle in Weißbach (Vikariat seit 1785 und selbständige Pfarre seit 1391). Bei den Renovierungsarbeiten 1979/80 stieß man aber bei Versuchsgrabungen im Inneren der Kirche auf Reste von Grundmauern, die mit der gegenwärtigen Kirche nichts gemeinsam haben, sondern eben jenem ersten Gotteshaus zugehörten- wie man mit Sicherheit annehmen kann. Ob dieser Ursprungsbau vor der Errichtung eines Neubaues abgetragen wurde oder durch Brand zugrunde ging, ist unbekannt, vielleicht war er auch nur zu klein geworden. Jedenfalls wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jh. eine neue Kirche errichtet und im Jahre 1480 eingeweiht.


Wie festgestellt wurde, war diese neue Kirche ein einschiffiger gotischer Bau, innen 26 m lang und 8 m breit. Gegen Osten endete er in einem Chor- und Altarraum. Ein Kreuzrippengewölbe überdeckte das ganze Kircheninnere. Vom Altarraum aus betrat man die Sakristei, die im ebenerdigen Geschoss des damals an der Südseite der Kirche angebauten Turmes gelegen war. Der damalige Haupteingang in die Kirche aber lag an der schmalen Westseite. Schmale Spitzbogenfenster, mit Butzenscheiben verglast, brachten nur spärliches Licht in das Innere. Vermutlich war an der Südseite der Kirche auch eine Totengruft angebaut. Der Standort der Kirche aber war der gleiche wie der heutige und der Kirchhof diente auch damals schon als Ruhestätte und Friedhof für die Toten der gesamten großen Pfarre.


Nach den Darstellungen von Geistlichem Rat Pfarrer Reitsamer sind uns davon bis heute noch erhalten geblieben: der eigentliche Altarraum, die beiden unteren Räume des alten Turmes mit den gotischen Fenstern und der Sakristeitüre mit der gotischen Laibung, als Eingang in den Chorraum, dann ein Aufgang zur Kanzel im alten Untergeschoss des ehemaligen Turmes und schließlich der gotische Haupteingang in die Kirche.
Im Verlaufe der Zeiten war diese einschiffige Kirche dann neuerlich zu klein geworden für die umfangreiche Pfarre. Schon um 1665 reichte man daher ein Gesuch ein um Bewilligung nicht nur zur Erneuerung des schadhaften Turmes, sondern auch zur Erweiterung des Kirchenschiffes und zur Obersetzung der alten Totengruft. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis diese Erweiterungs- und Verbesserungspläne tatsächlich verwirklicht werden konnten.


Erst 1674/75 konnte der Maurermeister Johann Millinger von St. Martin, der den diesbezüglichen Auftrag erhalten hatte, mit dem Neubau und Umbau beginnen. Dieser Umbau erwies sich aber als höchst gefährlich und schwierig, weil vorerst auch die Seitenwände des Hauptschiffes durchbrochen werden mussten, um die beiden Seitenschiffe neu an den Altbau anzufügen, links ausgehend vom dem Eingang an die bestehende Seitenkapelle und rechts ebenfalls in Angliederung an den vorhandenen Kapellenzubau. Der alte Turm an der Südseite der Kirche über der Sakristei aber war schon 1647 als so baufällig bezeichnet worden, dass man ihn damals schon besonders renovieren und sogar mit Eisenklammern absichern musste, neuerlich ebenso im Jahre 1658. wo er dann abgestützt werden musste und mir einem neuen Glockenstuhl und neuem Turmdach versehen wurde. Im Jahre 1674 erforderte die auch äußerlich sichtbare Baufälligkeit des Turmes weitere Sicherungs- und Verbesserungsarbeiten, so dass anzunehmen ist, dass gerade auch diese Schäden zur endlichen Verwirklichung des Kirchenumbaues führten. Bis zum Jahre 1699 blieb aber der alte Turm noch stehen. und wurde erst in diesem Jahre durch Maurermeister Millinger abgetragen. Vorher hatte man schon mit der Errichtung des neuen, nunmehr 61 m hohen gotischen Turmes über dem Haupteingang begonnen, der bis heute der Kirche ihr äußeres charakteristisches Aussehen verleiht. Im Jahre 1701 war der neue Turmbau - der damals 4136 Gulden gekostet hatte - vollendet. Zu gleicher Zeit aber waren auch die Bauten zur Errichtung der beiden Seitenschiffe und zu allen sonstigen notwendig gewordenen Umgestaltungen abgeschlossen. Der hohe Dachstuhl der Kirche aber wurde erst im Jahre 1733 aufgerichtet. Nur drei Jahre später, nämlich 1736, fand dann ein neuerlicher Kirchenumbau statt. Dabei musste das alte, besonders schöne, gotische Gewölbe entfernt und zur Verbesserung der Belichtung des Kircheninneren neue hohe Fenster eingefügt werden. Gleichzeitig sorgte man auch für die Einrichtung eines neuen Kirchengestühls. Im Jahre 1737 wurde dann auch die Sakristei erweitert und zwar nach Osten zu - wobei - wie es in den Berichten heißt, "in der Nacht immer jemand Wache halten musste".


Die folgenden hundert Jahre sahen keine bedeutsamen Veränderungen am Kirchenbau. Erst in den Jahren zwischen 1838 und 1840 wurde das Gotteshaus wiederum auf Kosten von Wohltätern renoviert. Im Jahre 1880 konnte dann auch die Empore erneuert werden. 1886 aber erfuhr die Kirche unter Pfarrer Matthias Eisl eine eingehende gründliche Kirchen- und Turmrenovierung, sowohl von außen her wie von innen. Dabei wurden auch neue - von der Gemeinde und von einigen Handwerkszünften gestiftete - farbige Fenster eingesetzt und auch die Kugel und das Kreuz des Turmes neu vergoldet. 1889 fand eine weitere Renovierung statt, bei der Paul Kronthaler aus Erl mit den Maler- und Fassarbeiten beauftragt wurde. Die letzten großen Renovierungen geschahen im Jahre 1947 unter Pfarrer Leopold Wintersteller und zwischen 1976 und 1980 in besonders umfangreicher Weise unter Geistlichem Rat Pfarrer Josef Reitsamer. Der Festschrift zur 800-Jahr-Feier der Pfarre und zur 500-Jahr-Feier des Kirchenbaues entnehmen wir dazu die folgenden Feststellungen: Dass nach kaum 30 Jahren wieder eine Renovierung nötig wurde, liegt einerseits daran, dass in den ersten Nachkriegsjahren nicht das beste Material zur Verfügung stand, andererseits aber auch die große Mauerfeuchtigkeit zu besonderen Schäden geführt hatte. Auch wenn man höhere Kosten erwarten musste, war man dieses Mal auf besondere Gründlichkeit bedacht.


Im Sommer 1978 begann auch die notwendige Außenrenovierung der Kirche und des Turmes, wobei vor allem am Turm der alte Mauerputz abgeschlagen und durch einen neuen ersetzt wurde. Auch das Turmdach wurde gründlich untersucht und ausgebessert und die Kugel an der Spitze des Turmes neu verkupfert. Die alte Armenseelenkapelle mit dem dazugehörigen Barockaltar erfuhr ebenfalls eine Wiederherstellung. An der Renovierung beteiligten sich vor allem einheimische Unternehmen und zwar die Baugesellschaft Schmuck und Hagn aus St. Martin, Zimmermeister Sebastian Meiberger aus Lofer, Ernst Ferdinand Fuchs als Restaurator aus Maishofen, Elektromeister Ernst Demel von St. Martin, Glasermeister Martin Einwaller aus Lofer, Tischlermeister Alfons Groß von St. Martin, Josef und Johann Auer, Spenglermeister von Lofer, die Schlosserei Weißbacher von Lofer und schließlich die Marmorindustrie Kiefer von Oberalm. Auch eine Reihe freiwilliger und unentgeltlicher Arbeitsleistungen wurden erbracht. Mit großer Genugtuung und Freude konnten im Jubeljahr 1980 schließlich die umfangreichen Neuerungen zu Ende geführt und abgeschlossen werden.


Quelle: Chronik St. Martin/Lofer